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Lippen- und Zungenbändchen korrigieren: Wann ist ein Eingriff sinnvoll?

Zungenbändchen

Sie sind nur wenige Millimeter groß, können aber einen spürbaren Einfluss auf wichtige Funktionen im Mund haben: Lippen- und Zungenbändchen steuern mit, wie beweglich Lippen und Zunge sind. Ist ein Zungenbändchen zu kurz oder ein Lippenbändchen ungünstig ausgeprägt, können daraus Beschwerden beim Saugen, Sprechen, Kauen oder Schlucken sowie Veränderungen an Zahnfleisch und Zahnstellung entstehen. Ob eine Korrektur sinnvoll ist, hängt dabei nicht allein vom Aussehen der Bändchen ab, sondern vor allem von ihrer Funktion.

Der Unterschied von Lippen- und Zungenbändchen

Lippen- und Zungenbändchen bestehen beide aus Schleimhaut und Bindegewebe. Der Unterschied liegt in ihrer Lage.

Das Zungenbändchen, medizinisch Frenulum linguae, befindet sich an der Unterseite der Zunge und verbindet diese mit dem Mundboden. Bei normaler Ausprägung erlaubt es der Zunge einen großen Bewegungsspielraum. Ist das Zungenbändchen dagegen deutlich verkürzt oder straff, kann die Beweglichkeit der Zunge eingeschränkt sein.

Die Lippenbändchen verbinden die Innenseite der Lippen mit dem Zahnfleisch. Besonders relevant ist häufig das obere Lippenbändchen zwischen den mittleren Schneidezähnen. Setzt es sehr tief an oder übt es einen starken Zug auf das umliegende Gewebe aus, kann dies unter anderem Auswirkungen auf Zahnstellung und Zahnfleisch haben.

Die Funktionen von Lippen- und Zungenbändchen

Lippen- und Zungenbändchen sind kleine Schleimhautfalten, die bewegliche Strukturen im Mund mit dem umliegenden Gewebe verbinden. Dabei sorgen sie für Stabilität, ohne die natürliche Beweglichkeit von Lippen und Zunge einzuschränken. Besonders das Zungenbändchen ist an verschiedenen alltäglichen Funktionen im Mundraum beteiligt.

  • Beweglichkeit der Zunge: Das Zungenbändchen stabilisiert die Zunge und ermöglicht gleichzeitig den notwendigen Bewegungsspielraum. Die Zunge kann dadurch beispielsweise angehoben, nach vorne bewegt oder seitlich geführt werden.
  • Sprechen und Lautbildung: Für die Bildung vieler Laute muss die Zunge unterschiedliche Positionen im Mund einnehmen können. Eine ausreichende Beweglichkeit ist deshalb eine wichtige Voraussetzung für eine ungestörte Artikulation.
  • Kauen und Schlucken: Die Zunge transportiert Nahrung innerhalb des Mundes, unterstützt das Kauen und befördert den Speisebrei beim Schlucken in Richtung Rachen. Das Zungenbändchen ermöglicht dabei kontrollierte Bewegungsabläufe.
  • Saugen und Nahrungsaufnahme: Bereits im Säuglingsalter spielt die Beweglichkeit der Zunge eine wichtige Rolle. Beim Stillen beziehungsweise Saugen sind koordinierte Zungenbewegungen erforderlich, um Nahrung aufnehmen zu können.
  • Beweglichkeit der Lippen: Die Lippenbändchen verbinden Ober- und Unterlippe mit dem Zahnfleisch. Sie stabilisieren die Lippen und begrenzen deren Bewegungen, ohne die normale Beweglichkeit zu behindern.
  • Stabilität im Mundraum: Lippen- und Zungenbändchen tragen dazu bei, die mit ihnen verbundenen Strukturen in ihrer natürlichen Position zu führen und Bewegungen zu kontrollieren.

Welche Beschwerden kann ein verkürztes Zungenbändchen verursachen?

Ist das Zungenbändchen verkürzt, kann in jeder Lebensphase Beschwerden verursachen. Art und Ausprägung der Einschränkungen unterscheiden sich individuell.

  • Bei Säuglingen kann ein verkürztes Zungenbändchen das Stillen erschweren. Eine eingeschränkte Zungenbeweglichkeit kann den Aufbau des notwendigen Vakuums beim Saugen behindern. Häufiges Loslassen der Brust, auffällige Sauggeräusche oder eine herzförmige Einziehung der Zungenspitze können Hinweise sein.
  • Im Kindesalter kann vor allem die Sprachentwicklung betroffen sein. Eine eingeschränkte Beweglichkeit der Zunge erschwert mitunter die Bildung bestimmter Laute. Auch Kauen und Schlucken können beeinträchtigt sein.
  • Bei Jugendlichen und Erwachsenen können funktionelle Einschränkungen Ein kurzes Zungenbändchen kann beispielsweise das Anheben oder Herausstrecken der Zunge erschweren.

Ein kurzes Zungenbändchen erfordert nicht automatisch eine Behandlung. Entscheidend dafür sind bestehende funktionelle Einschränkungen und Beschwerden.

Wie läuft die Korrektur des Zungenbändchens ab?

Verursacht ein verkürztes Zungenbändchen funktionelle Einschränkungen, kann es chirurgisch gelöst oder korrigiert werden. Ziel ist es, der Zunge mehr Bewegungsfreiheit zu ermöglichen.

Vor dem Eingriff werden Länge und Ansatz des Zungenbändchens sowie die Beweglichkeit der Zunge genau untersucht. Auch bestehende Beschwerden und das Alter des Patienten fließen in die Behandlungsentscheidung ein.

Die Zungenbändchenkorrektur ist in der Regel ein kleiner oralchirurgischer Eingriff. Dabei wird das einschränkende Gewebe gezielt gelöst. Je nach Befund kann anschließend eine Naht erforderlich sein. Häufig ist eine örtliche Betäubung ausreichend, die geeignete Form der Betäubung wird jedoch individuell festgelegt.

Besonders bei Kindern kann eine interdisziplinäre Zusammenarbeit sinnvoll sein. Je nach Beschwerdebild können beispielsweise Kinderärzte, Zahnärzte, Kieferorthopäden oder Logopäden in die weitere Behandlung einbezogen werden.

Wann sollte ein Lippenbändchen korrigiert werden?

Anders als beim Zungenbändchen stehen bei einem auffälligen Lippenbändchen häufig Zahnfleisch und Zahnstellung im Mittelpunkt. Ein tief oder ungünstig ansetzendes Lippenbändchen kann einen dauerhaften Zug auf das Zahnfleisch ausüben. Dadurch kann ein Rückgang des Zahnfleisches begünstigt werden.

Ein weiterer möglicher Befund ist eine Lücke zwischen den oberen mittleren Schneidezähnen, das sogenannte Diastema. Ein kräftig ausgeprägtes oder tief ansetzendes Lippenbändchen kann dazu beitragen, dass diese Lücke bestehen bleibt. Ob und zu welchem Zeitpunkt eine Korrektur sinnvoll ist, sollte jedoch immer unter Berücksichtigung der Zahn- und Kieferentwicklung beurteilt werden.

Auch im Zusammenhang mit kieferorthopädischen Behandlungen oder Zahnersatz kann ein störendes Lippenbändchen relevant werden. Eine operative Korrektur kommt daher vor allem dann infrage, wenn das Bändchen nachweislich funktionelle oder zahnmedizinische Probleme verursacht.

Was ist nach der Korrektur zu beachten?

Nach der Korrektur eines Lippen- oder Zungenbändchens braucht das Gewebe etwas Zeit zur Heilung. Auch bei einem kleinen oralchirurgischen Eingriff unterstützen einige Maßnahmen in den ersten Tagen einen möglichst unkomplizierten Heilungsverlauf.

  • Mundhygiene: Eine sorgfältige Mundhygiene hält den behandelten Bereich sauber und unterstützt die Wundheilung. Die Reinigung sollte dabei vorsichtig nach ärztlicher Empfehlung erfolgen.
  • Essen und Trinken: Weiche, nicht zu heiße Speisen schonen die Wunde. Sehr heiße, harte oder stark gewürzte Lebensmittel können den behandelten Bereich reizen.
  • Körperliche Belastung: Eine vorübergehende Reduktion von Sport und stärkerer körperlicher Anstrengung entlastet den Körper während der Heilungsphase.
  • Nachkontrolle: Kontrolltermine ermöglichen eine Überprüfung des Heilungsverlaufs und helfen dabei, die weitere Nachsorge abzustimmen.
  • Beweglichkeit der Zunge: Gezielte Übungen können nach einer Zungenbändchenkorrektur die neu gewonnene Beweglichkeit fördern.
  • Logopädische Begleitung: Bei Einschränkungen der Lautbildung kann eine ergänzende logopädische Therapie die funktionelle Entwicklung unterstützen.

MKG Hamm – Ihr Ansprechpartner für Mund-, Gesichts- und Kieferchirurgie in Hamm

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Bild: Adobe Stock – LIGHTFIELD STUDIOS

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